Finanzberichterstattung
Unser Geschäftsbericht
Am Donnerstag, den 5. März, sind die Preisträger:innen des VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE No. 8 in Berlin feierlich ausgezeichnet worden. Maria Bolz gewann in der Kategorie „New Talent“ mit der Fotoserie „theydream“ und Michael Kohls überzeugte mit der Fotoserie „Etrogim“ in der Kategorie „Professional“. Die fotografischen Erkundungen reflektieren persönliche Perspektiven auf das Thema ZUHAUSE und verhandeln zugleich gegenwärtige gesellschaftliche Themen. Die Fachjury würdigte die Fotoserien für ihre mutigen und differenzierten Erzählweisen auf das universelle Thema ZUHAUSE.
Die Fotoserie theydream beschäftigt sich mit Fragen geschlechtlicher Identität, Selbstwahrnehmung und Selbstwerdung. Im Mittelpunkt steht der Körper als ein Zuhause, das nicht selbstverständlich gegeben ist, sondern durch Veränderung und Selbstbehauptung erst gefunden werden musste. Die Arbeit erzählt von Verletzlichkeit und Selbstbehauptung als nicht-binäre Person und vom Traum einer Welt, in der das Geschlecht eine untergeordnete Rolle spielt, und von der Frage, wo Zuhause beginnt. In inszenierten Selbstporträts, aufgenommen in der Natur der eigenen Heimat, treten Vergangenheit und Gegenwart, Herkunft und Selbstwerdung in Dialog und eröffnen einen Blick darauf, wie sich im eigenen Körper ein Zuhause finden lässt.
„Die Fotoserie theydream überzeugt durch ihren intensiven biografischen Ansatz und erweitert den Begriff von Zuhause: als Ort im eigenen Körper, in der Natur und im Lebensraum der Herkunft. Die Arbeit kombiniert verschiedene Bildsprachen zu einem atmosphärisch dichten Dialog und verdeutlicht: Zuhause ist etwas Fluides, es darf sich verändern. Besonders eindrücklich ist die Suche nach einem inneren Ort, in dem sich diese Erfahrung verdichtet und spürbar wird: Ich habe mein Zuhause in mir gefunden.
Die Jury würdigt die künstlerische Arbeit ebenso wie ihre performative Dimension. Sie zeigt, dass Zuhause neu gedacht werden muss: als offener, wandelbarer Begriff, der Identität, Herkunft und Selbstbestimmung miteinander verbindet. Gesellschaftspolitisch relevante Fragen werden sensibel und formal überzeugend verhandelt. Der humorvolle Ton verleiht der Fotoserie eine unerwartete Leichtigkeit und erzählt die Thematik mit selbstbewusster Haltung.“
- STATEMENT DER JURY ZUR PREISVERGABE
In seiner Fotoserie geht Michael Kohls der Frage nach, was Zuhause für Jüd:innen in Deutschland heute bedeutet. Jüdische Lebensrealitäten sind vielfaltig und von Migration, Familiengeschichten und gemeinsamen wie unterschiedlichen kulturellen Prägungen durchzogen. Viele Jüd:innen leben zwischen Sprachen, religiösen Traditionen oder säkularen Lebensentwürfen. Ihre Erfahrungen sind häufig generationsübergreifend geprägt von der Shoa und dem Versuch, sich in einem gesellschaftlichen Umfeld zu verorten, das Jüd:innen oft stereotypisiert und historisiert. In Porträts, Stillleben und räumlichen Aufnahmen sucht Kohls nach Spuren eines Zuhauses, das nicht unbedingt an einen Ort gebunden ist, sondern sich vor allem in Beziehungen, Erinnerungen und kulturellen Bedeutungen zeigt.
„Michael Kohls’ Fotoserie macht neugierig und berührt zugleich. In Porträts aus dem persönlichen Umfeld des Fotografen, ergänzt durch Stillleben, entsteht ein vielschichtiges Bild jüdischen Lebens jenseits von Klischees. Leichtfüßig und poetisch fügen sich die Fotografien zu Mosaikstücken einer jüdischen Identität, die im gelebten Alltag verankert ist und nicht politisch-ideologisch argumentiert. Vor dem Hintergrund der Shoa, durch die ‚Zuhause’ als Ort nicht-existent geworden ist, finden Identität und Zugehörigkeit Ausdruck in Symbole, Beziehungen und Erinnerungen.
Die Arbeit ist gesellschaftlich hoch relevant und zugleich sensibel umgesetzt. Besonders überzeugt, wie sich beim Betrachten eine Erkenntnis entfaltet: wie wenig wir über gegenwärtiges jüdisches Leben wissen und wie selten es im Alltag sichtbar ist. Die Serie wird zu einer Einladung, genauer hinzuschauen, einzutauchen und kennenzulernen.“
- STATEMENT DER JURY ZUR PREISVERGABE
Vom 2. bis 17. Mai 2026 sind die sechs fotografischen Positionen aus der Meisterklasse des VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE No. 8 in Essen zu sehen. Ausstellungsort ist die Kreativ Kathedrale TRUDI, die zum Kultur- und Bildungszentrum umgewandelte Kirche St. Gertrud im Norden der Essener Innenstadt. In Kooperation mit dem Sprengel Museum und unter der Kuration von Reinhard Spieler werden die Fotoserien dort erstmals präsentiert. Die Ausstellung wird in enger Partnerschaft mit der Hochschule der bildenden Künste Essen (HBK) realisiert: Am 27./28. März gibt es einen kuratorischen Workshop für Studierende unter der Leitung von Reinhard Spieler, zudem werden die Studierenden aktiv in die Ausstellungsproduktion und die Hängung eingebunden. Ein Rahmenprogramm mit Künstlergesprächen u. a. ist in Planung. Weitere Ausstellungen im Jahr 2026, unter anderem im öffentlichen Raum in Hannover, sind vorgesehen.
Der VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE ist mit insgesamt 40.000 Euro dotiert. Die Fotograf:innen der Meisterklasse werden mit je 4.000 Euro bei der Umsetzung ihrer Fotoserien unterstützt, hinzu kommen Preisgelder in Gesamthöhe von 16.000 Euro. Darüber hinaus werden die Arbeiten in Ausstellungen einem breiten Publikum präsentiert.
Der VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE wurde bereits zum achten Mal vergeben. Sieben Fotograf:innen durchliefen in den Kategorien „New Talent“ und „Professional“ eine Meisterklasse und entwickelten begleitet von Expert:innen aus dem Bereich Fotografie neue Fotoserien mit sechs bis zwölf Bildern zum Thema.
NEW TALENT
Maria Bolz | „theydream“
Jana Islinger | „Unter demselben Himmel“
Stella Weiß & Rosa Burczyk | „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“
PROFESSIONAL
Ute Behrend | „Die Liebe zu den Dingen, mit denen wir leben“
Michael Kohls | „Etrogim“
Christina Stohn | „Der Hof in ihren Händen“
Der VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE wird von einer unabhängigen Fachjury um den Vorsitzenden Martin Brockhoff (Fotograf) begleitet, die gemeinsam die Teilnehmenden der Meisterklasse nominiert hat. Das Format entwickelt sich kontinuierlich weiter und konnte für die aktuelle Ausgabe mit Silke Frigge, Celina Lunsford und Paula Markert drei neue Expert:innen für die Jury gewinnen. Zugleich wurden die Aufgaben innerhalb des Gremiums neu strukturiert: Celina Lunsford (Künstlerische Leiterin des Fotografie Forum Frankfurt), Paula Markert (Professorin an der Hochschule Niederrhein) und Nina Röder (Professorin an der UE Hamburg/Berlin) brachten ihre fachliche Expertise in die Durchführung der Meisterklasse sowie das Mentoring ein, während Silke Frigge (Geschäftsführerin der Fotoagentur laif), Anna Gripp (Chefredakteurin PHOTONEWS), Daniel Riedl (Vorstandsmitglied Vonovia), Reinhard Spieler (Direktor des Sprengel Museum Hannover) und Ingo Taubhorn (Präsident der Deutschen Fotografischen Akademie) die Kommission zur Preisvergabe bildeten.
Der VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE wurde 2017 ins Leben gerufen und bietet seither professionellen Fotograf:innen sowie neuen Talenten im Bereich Fotografie ohne Altersgrenze eine Plattform für Sichtbarkeit und Vernetzung. Die Arbeiten der Preisträger:innen wurden in Institutionen wie dem Sprengel Museum Hannover, dem Fotoforum Dresden und dem Kunstmuseum Bochum präsentiert. Das facettenreiche Thema ZUHAUSE bildet die inhaltliche Klammer des Awards, die die teilnehmenden Fotograf:innen mit künstlerischem, dokumentarischem und forschendem Blick immer wieder neu und zeitgenössisch interpretieren. So bietet der Award regelmäßig einen vielschichtigen Einblick in aktuelle fotografische Positionen. Zugleich berücksichtigt er die Bandbreite fotografischer Verfahren, Techniken und künstlerischer Ansätze und macht damit die Vielfalt sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung des Mediums sichtbar.